Angesichts der zunehmend verfügbaren Inhalte zur Wissensvermittlung in Videoform, kann man mittlerweile schon von einem eigenen Format sprechen, dem EduCast. Diese Form der Inhaltevermittlung haben wir uns beispielhaft bei den beiden Plattformen 5min.com und sclipo.com angeschaut. Wer weitere Ideen bekommen möchte, wo die Reise hingeht, der kann z.B. bei dem neu eingerichteten Blog von freedu einmal gucken und lesen.
Beide Dienste bieten User Generated Teaching bzw. EduCasts an, die sowohl online, als auch auf dem Handy oder Smartphone konsumiert werden können. Hinter diesen beiden Plattformen steht die Idee mit Video Wissen zu vermitteln. Doch was passiert genau dabei? Wer ist die Zielgruppe, welche Kompetenzen lassen sich damit lehren? Was ist das Geschäftsmodell dahinter?
Diesen Fragen wollten wir nachgehen und für “EduCasting” ein didaktisches Modell definieren vergleichbar den Modellen die Prof. Flechsig in seinem Kleinen Handbuch umfangreich dokumentiert hat. Educasting soll damit als neue Kulturtechnik des Lehrens und Lernens ein wenig strukturierter aufgearbeitet werden.
Bitte fügen Sie in den Kommentaren oder im stud.ip die angefertigten Modellskizzen in elektronischer Version ein. Diese führen wir dann in der nächsten Veranstaltung zusammen zu einem ersten Wikipedia-Artikel über EduCasting. Eine schöne Übersicht zu verschiedensten überwiegend englischen EduCast-Anbietern gibt es hier.
EDUCAST (erste Rohfassung)Beschreibung/Kurzinfo
Ein Educast ist die Verwendung eines Videopodcast, um Bildungsinhalte in Form von Video zu vermitteln. Oft ist die Videolänge auf 5 bis maximal 20 Minuten begrenzt.
- Spezifische Themen
- Von jedem für jeden!
Andere Bezeichnungen (z.B. in anderen Sprachen):
Auch in Spanisch und Französisch heißt es offenbar “Educast”.
- Bildungspodcast
- Microlearning
Varianten (z.B. Lernen 1.0):
Früher gab es Schulfernsehen, das hatte aber eine Länge von deutlich mehr als 5-20 Minuten und war meistens als Vollzeit-Schulstunde angelegt. Am nächsten kommen dem Educast vermutlich noch einzelne Abschnitte z.B. der Sesamstraße, in der ebenfalls in kurzen Sequenzen einzelne Dinge vorgestellt werden.
- Home-Training Videos
- Auskunft
Beschreibungstext (was ist ein Educast? Historie, ….):
Seit die technische Entwicklung die Probleme des Abspielens von Video im Webbrowser auf verschiedenen Plattformen/Betriebssystemen beseitigt hat - durch die de facto Vereinheitlichung über Adobes Flash-Video-Format - etablieren sich weltweit Portale, die die Erzeugung und Verbreitung von Videoinhalten zum Zweck haben.
Dieser User Generated Video Content weist zwar starke Schwankungen in der Qualität der Inhalte auf, dadurch jedoch, dass Millionen Inhalte verfügbar sind und von anderen Nutzern bewertet werden, werden sehr gute und/oder von der Masse als relevant eingestufte Beiträge oft mit viel Aufmerksamkeit bedacht.
Der Educast selbst entwickelt sich vom Videoclip hin zu einem mobil abrufbaren und begleiteten Lehrangebot; quasi User Generated Teaching. Durch entsprechende Plattformen wird es leicht gemacht, eigenes Wissen in Videoform zu bringen, zu distribuieren und auch zu vermarkten. So bietet sclipo.com z.B. den Bereich “Akademien” und 5min.com den Bereich “Studios” um ein permanentes Angebot an Wissen und dessen Vermarktung zu pflegen.
- Web 2.0
- Each one teach one
Didaktische Prinzipien
Der Lernende schauen sich ein Video an. Im besten Fall machen sie das, was im Video gezeigt wird gleich nach oder probieren es parallel aus. Vor allem das did. Prinzip der Wiederholung kann zu einem nachhaltigen Erfolg führen und unterstützt den “Mastery Learning” Ansatz. man kann sich das Video z.B: solange angucken und wiederholen, bis der “Stoff” sitzt, bzw. man die gezeigte Fähigkeit / Skill drauf hat.
- beiläufiges Lernen
- Selbstbestimmt
- Teaching (Erstellung eines eigenen Educast) is Learning twice
Lernumgebungen
Je nachdem, auf welchem Endgerät der Nutzer den Inhalt “zu sich nimmt”, z.B. bei einem mobilen Gerät (Smartphone, Laptop) kann die Umgebung überall sein, wo Netz ist. (Zitat Miriam Meckel: “Leben ist da wo ich Netz habe” - Videopost zu “Das Glück der Unerreichbarkeit”).
Die Umgebung kann demnach durch physische und soziale Einflüsse stark variieren. Ein Internetcafé, ein ICE-Abteil, eine einsame Ecke mit WLAN innerhalb der Bibliothek, das Wohnzimmer zu Hause, der eigene Schreibtisch mit Festnetz-DSL.
Dadurch, dass die Educasts zeitlich unabhängig rund um die Uhr abrufbar sind, ist die Lernumgebung auch von zeitlichen Begrenzungen abgekoppelt. Es ist denkbar, kurz vor dem Schlafen gehen noch einen Educast mit drahtlos vernetzen Laptop im Bett anzugucken.
Problematisch erscheint, dass sich durch den vorprogrammierten steten wechsel der Lernumgebung eine Routine für das Lernen mit Educasts vermutlich nur schwer erlernen lässt. Von Vorteil kann sein, dass sehr leicht immer neue Reize durch die Umgebung gesetzt werden. So kann z.B. der Besuch einer Konferenz oder eines anderen sozialen Events ohne weiteres zu einer Educast-Nachfrage führen (Beispiel: Wie halte ich einen guten Vortrag?).
- Eigentlich nicht mehr eingeschränkt (weil Netz notfalls über Handy, also überall)
Lernaufgaben
Der Lernende sucht sich seine “Lern-/Wissenslücke” selbst aus (Motto: “ich weiß dass ich nichts weiß!”). Man kann gezielt nach Rubriken versuchen Informationen zu einem Wissensgebiet zu suchen & zu finden. Nachdem man den passenden Videoclip gefunden hat, versucht man das Beste aus dem Clip zu machen.
Im Nachgang zum Clip kann man eine Bewertung des Clips vornehmen, und sich vor allem an der Diskussion beteiligen, um z.B. kritisch die gezeigten Dinge in Frage zu stellen, oder Dinge zu ergänzen.
Bei Plattformen die Live-Educast-fähig sind, kann die Aufgabe im direkten und aufgeforderten Nachahmen von Dingen liegen, die der Live-Coach vormacht oder per Anweisung anbietet. Die Lernaufgaben können aus Anweisungen des Videoerstellers rühren.
Kompetenzen
Dadurch, dass die Videoinformation eines Educasts den Lernenden in eine eher passive Rolle zwängt, die zudem gekennzeichnet ist durch wenig Anleitung/Führung, wird vor allem die Selbstorganisation und Eigenständigkeit des Lernenden gefordert.
Kompetenzen die soziale Partner beim Einüben erfordern (z.B. Training der Körpersprache, Tanzperformances) sind nicht bzw. nur stark eingeschränkt vermittelbar. Videos, die z.B. im Bereich Sport bestimmte Körperbeherrschungen und -manöver zeigen, müssen durch die fehlende Möglichkeit zur Nachahmung “Eunuchenwissen” bleiben.
Gliederung des Ablaufs nach Phasen
• Vorbereitungsphase: Entfällt beim Surfen / Serendipity-Learning; Suchen nach bestimmten fachlichen Bereich und finden der passenden Educasts
• Klärungsphase: Prüfen, ob der Educast den Anspruch an das gesuchte Wissen erfüllen kann
• Planungsphase: Entfällt weitgehend, weil Educasts als “spontanes” Lernen, bzw. Instant-Lernen gedacht sind, ist die strategische Vorplanung eher nicht relevant
• Interaktionsphase (Durchführungsphase): Angucken des Videos. Sofern möglich wäre es vielleicht hilfreich, eigene Anmerkungen zum Video bereits beim Angucken ohne Medienbruch aufschreiben zu können.
• Bewertungsphase: Die Bwertung und Prüfung bleibt dem Lernenden selbst überlassen, es sei denn, er nimmt z.B. an einer “Skill-Challenge” teil, die Beweis seiner Fähigkeiten ist.
TODO…
Rollen der Lerner
Rollen der Lernhelfer
Institutionelle Kontext
Wissensbereich
Zielgruppen
Einbettung in Lehrgänge (Programme)
Varianten